Vom Besen und Eimer zurück zur Medizin

Dr. Med. Zuzana Cerna, Ph.D. fing schon während der Studienzeit an, sich für plastische Chirurgie zu interessieren. Den Weg zum Ziel hat sie später auch gefunden, obwohl es ein richtiger Zickzackweg war.

Magazin ESTETIKA, Oktober 2007

Text: Vladimíra Storchová
Foto: Vlastislav Macháček und Archiv von Frau Dr. Černé

Kurz nach ihrer Attestation emigrierte nämlich Dr. Cerna nach Kanada und hier erlebte sie zunächst zwei harte Jahre, bevor sie sich ihrem erträumten Fachbereich widmen konnte. Der Auslandsaufenthalt gab ihr aber eine Reihe nützlicher Erfahrungen, einchliesslich des Doktorats von der Universität in British Columbia. Zur Zeit arbeitet sie an der Laderma-Klinik für ästhetische Chirurgie in Prag.

Wieso haben Sie sich gerade für plastische Chirurgie entschieden?

Ursprünglich wollte ich mich der Geburtslehre widmen. Helfen, neue Kinder zur Welt zu bringen, betrachte ich als eine der schönsten Berufungen in der Medizin. Seit dem 2. Jahrgang war aber unser Assistent an der Fakultät der, heute sehr bekannte, Herr Dozent Jan Mestak. Er schaffte es, die Medizinstudenten durch sein herzliches Verhalten und sein Können zu gewinnen. Ich denke, dass es er war, der mich endgültig für die plastische Chirurgie gewinnen konnte. Sein Fachbereich, damals bei uns noch nicht so sehr bekannt, hat es mir sehr angetan.

Ist nicht gerade in der Chirurgie die, ein wenig „Chauvinistische“ Meinung verbreitet ist, dass Frauen dort nichts zu suchen haben?

Ich denke nicht, dass es ein Spezifikum der Chirurgie ist, denn die spiegelt nur wider die Haltungen und Meinungen der Gesellschaft. In der Zeit, als ich die Attestation in Chirurgie gemacht habe, war das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ca. 9:1. Chirurgie ist zeitlich sehr anspruchsvoll. Nur wenige Frauen können ihr so viel geben wie Männer. Und eine gewisse Ignorierung kann ich auf ihre Weise verstehen. Die Frauen orientieren sich oft anhand von Gefühlen, das ist durch ihre Mutterfunktion gegeben und in der Chirurgie sind ein gewisser Abstand und die Fähigkeit, sich schnell zu entscheiden, wichtig. Letztendlich, auch Männer gehen manchmal weg, sie eignen sich schlicht und einfach nicht für diesen Fachbereich. Aber das soll nicht heissen, dass aus ihnen dann nicht wunderbare Internisten sein könnten. Und es heisst auch nicht, dass es keine hervorragenden weiblichen Chirurgen gibt.

Wenn Sie alles gemeistert haben und eine gute Position bekommen haben, haben Sie emigriert. Warum?

Weil mein Es-Ehemann nach Kanada emigrierte und mein Sohn sehnte sich sehr nach ihm.

Sie haben alles verlassen, weil Ihr Sohn sich sehnte?!

Er war zwölf und das ist eine Zeit, wann ein Junge mehr den Vater braucht, als die Mutter. Und auch wenn sein Vater nicht mehr mit uns lebte, waren sie oft zusammen, er wohnte in der Nähe, er konnte ihn jederzeit besuchen gehen. Und auf einmal war der Vater nicht mehr da, er fehlte und der Sohn wollte hinter ihm her.

Waren die Anfänge sehr schwer?

Klassischer Anfang in der Emigration: sie steigen auf, wortwörtlich vom Besen, Putzlappen und Eimer zu immer besseren Arbeitsgelegenheiten wie z.B. Pflegekraft für Kinder und alte Leute, Laborarbeiten…. Schrittweise steigen sie dann mit besseren Sprachkenntnissen und verschiedenen Kursabsolvierungen die Karriereleiter hoch, bis sie wieder zurück auf dem Universitätsniveau angelangt sind. Harte zwei Jahre.

Und was war weiter?

Zur Medizin gelangte ich über ein weiteres Studium an zwei Universitäten. Zuerst wurde ich in Montreal, nach zweijährigem Studium an der medizinischen Fakultät, Magister und nach einem Konkurs bin ich zum Mitglied eines Doktorandenteams der Universität geworden, der sich mit Brustkrebs befasste. Das war schon in Vancouver, auf der University of British Columbia. Ich hatte Glück, ich kam in ein Team, das aus erfahrenen Fachleuten bestand, ich habe Vorlesungen gegeben und arbeitete an der Klinik an meinem Doktorat.

Wie kam es dazu, dass Sie wieder in der Tschechischen Republik sind?

Mein Sohn wurde auf einmal erwachsen und unabhängig, der Sinn der Emigration, die ich persönlich nie wollte, verging. Kanada ist ein sehr schönes und freundliches Land und ich bin froh, dass ich es kennenlernen konnte, dass ich dort an einer Universität arbeiten konnte und dass ich ihr Gesundheitssystem näher kennenlernen konnte, das sicher nicht perfekt ist, aber mit dem Patienten immer mit einem freundlichen Lachen im Gesicht handelt. Ich bereue es nicht, dort gewesen zu sein, aber es zog mich heim. Und so bin ich 1996 wieder zurückgekehrt und fing wieder von Null an.

Bekennen die Frauen in Kanada das ewige Jungsein?

Überhaupt nicht, in dieser Richtung sind sie, im Unterschied zu amerikanischen Frauen, eher konservativ. Das natürliche Altern ist für die Mehrzahl von ihnen normal und selbstverständlich.

Und was halten Sie von plastischer Chirurgie?

Eines muss gesagt werden: plastische Chirurgie, respektive ein Teil – die ästhetische Chirurgie – löst keine Krisen, hilft aber körperliche Disproportionen zu entfernen und kann Alterserscheinungen mildern. Der Mensch soll Verantwortung zu sich selbst fühlen. Soll aber auch nett zu sich sein, sich ab und zu mal einen Freude bereiten, sich ein wenig verwöhnen. Uns sich verwöhnen lassen. Aus Erfahrung weiss ich, dass eine Frau, die eine plastische Operation hinter sich hat, von der ganzen Familie verwöhnt wird. Der Ehemann fährt sie zu Kontrollen und benimmt sich fürsorglich. Ihre Mutter passt zum Beispiel auf ihre Kinder auf, kocht und sorgt dafür, dass die Patientin nach der Operation bald gesund werden kann. Es ist eine kollektive Fürsorge und wie mir von vielen Klientinnen gesagt wurde, ist es eine sehr schöne Zeit. Und als Ergebnis kommt dazu ein besseres Aussehen und somit auch ein besseres Gefühlt von sich selbst.

Also empfehlen Sie eine Plastik?

Ich möchte vor allem jeder Frau empfehlen, sich alles sehr gut zu überlegen. Auf jeden Eingriff muss sie vorbereitet sein, ich meine jetzt psychisch, sie muss es wirklich wollen. Sie muss natürlich gesund sein. Das ist das wichtigste. Und ich heisse es auch willkommen, wenn jemand zuerst etwas liest, verschiedene Besprechungen absolviert, mehrere Kliniken besucht, die Angebote vergleicht und erst dann sich entscheidet.

Sie stört die Konkurrenz nicht?

Und wieso sollte sie? Konkurrenz ist gesund. Patienten sollen die Möglichkeit haben, sich zu entscheiden und sie sollten diese Möglichkeit nutzen. Bei Eingriffen, die wir machen, sind ein Vertrauen zwischen dem Arzt und dem Patienten wichtig, sowie eine gewisse Sympathie. Und wie sollen sie das Beste für sie wählen, wenn sie gleich nach dem ersten greifen?

Auf was in Ihrem Leben sind Sie am meisten stolz?

Auf meinen Sohn, selbstverständlich, das ist immer noch das Beste auf dieser Welt, was ich fertigbringen konnte.

Die Ergebnisse der Operation können bei jedem Patient unterschiedlich sein, das hier präsentierte Ergebnis kann nicht garantiert werden.