Kampf um den Busen

Yellow sucht die Wahrheit über plastische Chirurgie in Tschechien

Magazin Yellow, 7. Juli 2006

Yellow sucht die Wahrheit über plastische Chirurgie in Tschechien

Meinen sie, dass dieser Busen eine plastische Operation braucht? Keineswegs – meinen wir in Yellow. Unsere Redakteurin gab vor, sie wolle ihren Busen vergrössern lassen. Und was machten die tschechischen Ärzte? Schickten sie sie nach Hause oder boten ihr eine Operation an? Geht es ihnen um die Patientinnen oder um ihr Geld?

Zufällig wählte ich drei private Ordinationen aus, in denen Busenvergrösserungen durchgeführt werden und begab mich auf den Weg dorthin um herauszufinden, ob der plastische Chirurge mit der Busenvergrösserung auch einer Frau entgegenkommt, die keineswegs Komplexe wegen ihres Busens haben muss, oder ob er sie nach Hause schickt und einen erfahrenen Psychologen empfiehlt.

Der erste Versuch

Der Bus hält vor der Poliklinik Budejovicka in Prag 4. Bis in die Ohren in einem Sofa verschwindend, fülle ich schon in einem kurzen Augenblick meine Karte und bekomme eine Broschüre mit Informationen über die Augumentation. Dann lädt mich der Arzt in seine winzige Ordination ein und ich warte auf die Frage, warum ich mich für eine Busenvergrösserung entschieden habe. Es reicht ihm der Satz, dass mir mein Busen zu klein vorkommt. Ich ziehe mich aus und der Arzt führt mich nach einem kurzen prüfenden Blick zum Spiegel. „Kommen ihnen beide Brüste gleich vor?“ Was? Während meines ganzen Lebens bin ich nicht drauf gekommen und bezweifle, dass jemand anders ja. Aber es ist wahr, der linke Busen hängt um ein paar Millimeter höher und ist ein kleinwenig kleiner als sein rechter Kollege.

Noch bevor ich diese Neuigkeit absorbieren kann, zieht der Arzt geformte BH-Einsätze hervor, anhand welcher er die zukünftige Grösse meiner Brüste demonstriert. Und durch die Luft fliegen Zahlen wie „270 Kubik, 240 Kubik, maximal aber 300 Kubik“ …300??? Bääh, es reichen mir die 270! Schon so kommt es mir vor, dass ich mit meinen potenziellen Brüsten Türe öffnen könnte. Am Ende besprechen wir mit dem Arzt, dass ich zwei Möglichkeiten erwägen soll. 240 Kubik auf jeder Seite, wann aber im Endeffekt der Unterschied zwischen meinen Brüsten noch grösser werden kann. Oder 240 Kubik in den rechten und 270 in den linken Busen – aber auf dem Arzt ist anzusehen, dass er sich des Ergebnisses gar nicht sicher ist. Er redet hier doch von zwei aufgemotzten Körpern, die in meinen 23-jährigen Busen kommen sollen. Wie wenn ich mir 5 Brötchen und ein halbes Kilo Schinken in einem Lebensmittelladen kaufen würde.

Zum Schluss der Konsultation sieht mich der Arzt aber noch einmal an und sagt: „Wissen sie, wenn sie meine wären, würde ich es ihnen niemals erlauben! Sie haben sehr schönen Busen, Modellbusen!“ Ich jauchze innerlich. Nicht wegen des Lobes, auch wenn so etwas erfreut, aber eher deswegen, dass Herr Doktor, der das Sprichwort prägt „Ich erfülle jeden ihrer Wünsche!“, einen Punkt erzielt hat. Ich habe zwar immer noch den Eindruck, als würde er mir, im Einklang mit Demokratie auf Wunsch nicht nur 300 Kubik in die Brüste implantieren, sondern auch links ein Herz und rechts eine Blume, und in einem kurzen Augenblick fülle ich noch eine Parodie auf einen Psychotest auf, wo die richtigen Antworten klar zu erkennen sind, aber…Es ist unentschieden.

Bemerkung

Zu Hause habe noch an dem gleichen Abend den 5 mm Unterschied zugegeben. Mein langjähriger Freund starrte konzentriert meine Brust an und rief dann: „Na ja! Ich habe also Mangelware zu Hause! Gleich Morgen werde ich dich bei deinen Eltern reklamieren!“ Ein paar Augenblicke später kam er mit der grauenvollen Wahrheit klar und sagte, dass er mich trotz dieses „Herstellungsfehlers“ behalten wird. Allerdings muss ich damit klarkommen, dass er mich manchmal liebevoll als „du mein kleiner Schund…“

Zweiter Versuch

Die Räumlichkeiten der Luxusklinik in der Krakowstrasse im Zentrum von Prag kommen mir eher vor wie in einem Hotel, als wie in einer Sanitätseinrichtung. Auf die Konsultation warte ich in einem grossen Atrium mit Wasserfontäne, in einem Ledersofa und vor mir ein Tisch mit Zeitschriften. Eine Schwester im Kostüm führt mich dann in die Ordination. Der Arzt, früher Mykologe, geht die Sache ganz anders an, als der gestrige. Zuerst macht er mich mit der Operation bekannt, mit der Implantatenplatzierung, dann untersucht er meinen Busen. Seiner Spezialisierung treu, tastet er sie gründlich durch. Warum ich aber gerne einen grösseren Busen hätte, interessiert ihn offensichtlich nicht. Er betrachtet mich als eine weitere aus der Reihe. Bemerkt nur: „Der Busen ist aber nicht so klein…“ Mit seinem Vorgänger einigt er sich auf der Grösse der Implantate, 240 – 300 Milliliter. Wenn ich den plastischen Chirurgen, reicher um die neue Erkenntnis, auf meinen kleinen Schönheitsfehler aufmerksam mache, rät er mir, diese nicht ausbessern zu wollen. Sie sei fast nicht zu sehen und er könne nicht versichern, dass ein grösseres Implantat nicht dasselbe Problem auf der anderen Seite hervorrufen würde. Dann hoffe ich einen kurzen Augenblick, dass er meinen Eindruck über ihn noch mehr ausbessern wird, denn er sagt: „Wenn sie meine Tochter wären…“ Ich spitze meine Ohren und schaue auf ihn „…würde ich ihnen einen Schnitt in der Busenrille und diese Implantate empfehlen!“ Ha! Vergeblich suche ich BH-Einsätze, anhand welcher ich mich über für richtige Grösse entscheiden könnte, so wie in der vorherigen Ordination. Ich frage also, wie ich mir, um 250 Milliliter vergrösserte. Brüste vorstellen soll. Ich staune jetzt zum zweiten Mal, denn der Arzt antwortet: „Nehmen sie einen Plastikbeutel, füllen sie ihn mit 250Ml Wasser und tun sie ihn in einen grösseren BH.“

Bemerkung

Die Plastikbeutel habe ich zu Hause wirklich ausprobiert, soll die Reportage doch vollständig sein. Leider muss ich zugeben, dass es mir nicht eingefallen ist, die Beutel mit warmem Wasser zu füllen, sodass sie aus dem BH gleich wieder rausflogen. Und mein Freund, sich fast totlachend, sagte nur „Ruf dort an, dass wenn die Implantate auch so kalt sind, dass du keinen grösseren Busen willst!“

Dritter Versuch

An der Klinik für plastische Chirurgie in der prager Spalena Strasse, erkenne ich im Wartezimmer, dass mein drittes „Versuchskaninchen“ eine Frau ist. Ärztin mit Bildung und langjähriger Praxis nicht nur in Tschechien, sondern auch in Kanada. Wenn sie mich einlädt, fragt sie mich, mit prüfendem Blick auf meine Brust schauend, ob ich wirklich eine eventuelle Augumentation konsultieren möchte. Ich sage, dass ja und dass das, was sie sieht nur das Ergebnis eines Push-Up BHs sei. Sie fordert mich also auf, mich auszuziehen. Dann ruft sie ungläubig: „Das meinen sie nicht ernst!“ Ich jubele innerlich, aber will nicht so schnell aufgeben. Alles vergeblich. Die Ärztin sagt mit resoluter Stimme. „Diesen Busen werde ich mit einem Skalpel nicht berühren. Jemand wird es bestimmt, aber ich nicht! Sie können sich wieder anziehen!" Die Schwester, am Tisch sitzend stimmt ihr zu: „Sie haben doch so schöne Brüste, dass wir sie gleich als Musterfotos benutzen könnten!“

Weil sie schon die letzten sind und weil sie den Ruf tschechischer plastischer Chirurgen gerettet haben, verrate ich den beiden Damen, dass wer ich bin und dass ich in Wirklichkeit keine Augumentation plane. Mit Dr. Med. Cerna Ph.D. einigen wir uns darauf, das plastische Chirurgen-Männer, unsere Reize nur als etwas sehen, was sich ihnen beim tanzen angenehm an die Brust presst und in den intimeren Augenblicken nicht weniger angenehm durch ihre Hände wandert. Aber Frauen, egal ob Ärztinnen, betrachten Busen auch als eine Sache, die uns beim laufen unbequem auf dem Brustkorb herumhopst. …Dr. Med. Cerna beteuert aber, dass es bestimmt mehr Leute wie sie gibt. „Herr Dozent Mestak würde sie bestimmt auch ablehnen!“ Die Ärztin zerreist mit einem Lächeln meine Karte und ich betrete mit gewölbter Brust und gemischten Gefühlen die Strasse.

Dozent Mestak vielleicht ja, aber was der Rest? Dazu kommt noch, dass die beiden vorigen Ärzte vergasen zu sagen, und worauf ich absichtlich nicht gefragt habe, dass die Implantate nur eine begrenzte Lebensdauer haben und dass, auch wenn sie mein Körper ohne Problem jetzt annehmen würde, sie nach zehn bis fünfzehn Jahren sowieso wieder raus müssten…

Die Ergebnisse der Operation können bei jedem Patient unterschiedlich sein, das hier präsentierte Ergebnis kann nicht garantiert werden.